Statement zu Shawn Bolz

Als leitender Produzent bei Siloam Productions möchte ich diese Stellungnahme im Namen unseres Teams und unserer Arbeit veröffentlichen.

Meine lieben Freunde, es gibt Momente, in denen Wahrheit nicht wie ein Sieg klingt, sondern wie eine Niederlage. Momente, in denen man nicht jubelt, weil etwas aufgedeckt wurde, sondern schweigt, weil etwas gestorben ist. Vor einigen Jahren habe ich an einem solchen Moment mitgewirkt.

Es war das Jahr 2018. Wir befanden uns mitten im Prozess der Produktion unseres zweiten Films. Ein Film, der das Prophetische sichtbar machen sollte. In diesem Zusammenhang filmten wir Shawn Bolz. Bereits beim ersten Film hatten wir ihn aufgenommen, doch das Material konnte nicht verwendet werden. Er erschien lediglich in einer Bonus-Teaching-Session. Umso größer war unsere Freude, ihn zwei Jahre später erneut vor der Kamera zu haben. Dieses Mal sollte er einen zentralen Teil des Films einnehmen. Shawn erzählte eindrucksvolle, berührende und spektakuläre Geschichten. Unter anderem sprach er über Paul Cain, einen Mann, den ich damals persönlich kannte. Als ich Paul später auf diese Erzählungen ansprach, verneinte er das meiste davon. Ich wusste nicht, ob es das Alter war, das Erinnerungen verblassen ließ oder ob hier etwas anderes geschah. Doch eines wurde mir klar: Einige dieser Geschichten ließen Shawn außergewöhnlich gut aussehen.  

Und genau dort begann etwas in mir zu kippen. Und dennoch weigerte ich mich innerlich, die harte und ehrliche Frage zu stellen.

Monate später, während wir den Film schnitten, wurde mein Verantwortungsgefühl immer lauter. Eine Frage, die lange in mir gelebt hatte, ließ sich nicht mehr verdrängen: Ist der Dienst von Shawn Bolz echt oder nicht?

Ich begann viele Stunden zu investieren, um die sogenannten Worte der Erkenntnis nachzuverfolgen, die Shawn öffentlich gesprochen hatte. Schnell wurde ein Muster sichtbar. Ein Muster, das nahelegte, dass detaillierte Informationen recherchiert worden waren. Parallel dazu lernte ich Menschen kennen, die für Shawn arbeiteten. In offenen Gesprächen bestätigten sie die Vermutungen. Von direkt Betroffenen hörte ich weitere Dinge, die jetzt auch öffentlich thematisiert wurden.

Verwirrung kam über mich und die Trauer wuchs. Eine Welt brach zusammen. Und die Frage stand im Raum: Was jetzt?

Ich begann, Leiter innerhalb der charismatischen Bewegung zu informieren, auch Menschen, von denen ich wusste, dass sie Shawn persönlich kannten. Meine Hoffnung war schlicht, dass jemand in Liebe und Wahrheit handeln würde. Doch obwohl die Beweislage klar war, geschah nichts. Anfang 2019 nahm ich Kontakt mit Leitern der Bethel Church auf und teilte meine Bedenken. Noch im selben Jahr kam es zu einem persönlichen Facetime-Gespräch mit Kris Vallotton. Ich weiß, dass im Hintergrund vieles bewegt wurde, und dafür bin ich dankbar. Und doch war ich auch als ehemaliger BSSM-Student überrascht, dass man nicht proaktiv versuchte, die Braut Christi zu schützen, indem man offen über diese Missbräuche sprach.

Vor gut einem Jahr wurden schliesslich viele Menschen über soziale Medien auf den Missbrauch dieses Dienstes aufmerksam. Der öffentliche Druck wuchs, bis Bethel am 3. Februar 2025 Stellung bezog. Im selben Monat war ich zuletzt in der Bethel Church und hatte ein kurzes Gespräch mit Dann Farrelly. Ich spürte das Ringen, die Fragen und die Last, die auf dem Leitungsteam lag.

Nun hat ein neues Video das Thema erneut mit weiteren Details aufgegriffen. Es wirkt, als würde sich die Geschichte der prophetischen Bewegung wiederholen. Doch was kaum jemand ausspricht, ist dies: Viele von uns sind Teil des Problems. Auch ich. Und vielleicht auch du. Nicht, weil wir böse sind, sondern weil wir mitgetragen haben, was uns hätte auffallen müssen. In der charismatischen Bewegung hat sich eine Kultur entwickelt, in der Erfolg gefeiert wird, wenn Menschen spektakulär geheilt werden, detaillierte Worte ausgesprochen werden und Gott „offensichtlich“ wirkt. Gottesdienste und Konferenzen werden daran gemessen.

Das hat enormen Leistungsdruck erzeugt auf allen Seiten. Leiter laden Sprecher ein, die beeindrucken sollen. Sprecher spüren den Druck, beeindrucken zu müssen. Menschen kommen, um bewegt oder sogar um unterhalten zu werden. Es ist ein pervertiertes System, das wir gemeinsam genährt haben.

Dabei sehen wir erneut, wie entscheidend Rechenschaft und Gemeinschaft sind. Die Frage, mit wem jemand unterwegs ist, ist ebenso wichtig wie die Frage, in welcher Gabe jemand läuft. Wo jemand Rechenschaft ablegt, ist ebenso wesentlich wie jede noch so spektakuläre Offenbarung.

Wir haben Menschen nach ihrer geistlichen Begabung beurteilt und nicht nach ihrer geistlichen Frucht. Viele glaubten, große Begabung entspringe automatisch einem integren Charakter. Das war nie wahr.

Wir stehen an einem Wendepunkt. Und wir müssen wachsam sein, dass das Pendel nicht in das entgegengesetzte Extrem ausschlägt. Ja, es gab massive Probleme, auch bei den Kansas City Propheten. Doch es gab nicht nur Täuschung, es gab auch Echtes. Es gibt reale Herausforderungen in unserer Bewegung, aber ebenso gibt es Authentisches.

Ich glaube, dass Shawn eine echte prophetische Begabung besitzt. Fernab der Bühne habe ich sie im Jahr 2011 selbst gesehen: In stillen Eins zu eins Momenten gab er Worte, die nicht so detailliert waren, aber das Herz der Menschen tief trafen und die Liebe des Vaters offenbarten. Es war schön. Es war echt. Es war einfach. Auch Freunde von Shawn bestätigten mir, dass er eine aufrichtige prophetische Gabe hat. Doch irgendwo auf dem Weg hat sich etwas eingeschlichen, das nun ans Licht gekommen ist.

Meine Bitte ist daher diese: Lasst uns nicht aufhören, dem Echten nachzugehen, nur weil sich das Falsche gezeigt hat. Die Gaben wurden uns nicht gegeben, um die Kirche zu unterhalten, sondern um die Welt zu erreichen. Alles, was in der Kirche bleibt, wird ungesund. Alles, was hinausgeht, bleibt lebendig. Die Gemeinde ist nicht der Ort der Show, sondern der Zurüstung. Nicht der Ort des Sammelns, sondern des Sendens.

Und zum Schluss – das Wichtigste. Die Opfer müssen gehört und ernstgenommen werden. Wenn das Leid der Opfer totgeschwiegen wird, ist es wie ein zweiter Missbrauch. Lasst uns für die Opfer beten. Ich habe mit Menschen gesprochen, die bis heute das Gewicht dieses Leids tragen. Möge Gott sie heilen, wiederherstellen und neu ermutigen. Lasst uns auch für Shawn und seine Familie beten. Und für die Leiterschaft der charismatischen Bewegung. Keiner von uns steht über der Versuchung. Keiner von uns lebt ohne Gnade. Wir alle sind täglich auf sie angewiesen. Möge diese Wahrheit, die nun ans Licht gekommen ist, uns nicht zerstören, sondern reinigen. Möge sie uns nicht spalten, sondern einen. Und möge aus dieser Stunde der Ernüchterung eine Bewegung hervorgehen, die demütiger, reifer und wahrhaftiger ist als zuvor.

Andrea Di Meglio
Siloam Productions